Twitter-Probleme: Wenn die Infrastruktur vom eigenen Produkt ablenkt
Twitter ist, auch wenn der sogenannte Mainstream noch nichts davon gemerkt hat, zumindest in den Kreisen der affinen Netznutzerschaft in aller Munde.
Der Dienst machte dabei lange Zeit vor allem durch seine fast zur Regel werdenden Ausfälle von sich reden. Auf aussenstehende fast witzig wirkende Anekdoten wie “Is Twitter down?” sind dabei für das betroffene Startup ein wirkliches Problem.
Obwohl die Ausfälle mitlerweile nicht mehr zur Tagesordnung gehören wird dieses Thema zur Zeit trotzdem wieder aktuell, weil Twitter neben den Phishingversuchen, bedingt durch die Unart jedem Drittanbieterdienst den eigenen Benutzernamen und das eigene Passwort aushändigen zu müssen damit dieser die API nutzen kann, am vergangenen Wochenende noch ein weiteres Problem hatte. Die Accounts verschiedener Prominenter wurden übernommen und für SPAM- und Fakenachrichten (hier mit Screenshots) verwendet. Dies geschah laut Twitter mit Hilfe der twittereigenen Supporttools die dazu verwendet werden Nutzern bei Problemen mit ihrem Accounts zu helfen.
Beides sind, auch wenn ich keine Einzelheiten kenne, Probleme die offensichtlich von Twitter selbst hätten behoben werden können. Software hat Lücken, ohne Frage. Aber angesichts der mitlerweilen starken Verbreitung von Twitter hätte man erwarten sollen, solche zentralen Softwareteile wie Authentifizierung und Verwaltungsbackend hätten die benötigte Aufmerksamkeit erhalten.
Vielleicht bedingt durch die ständigen Performanceprobleme konnte man bei Twitter diese Aufmerksamkeit aber nicht aufbringen. Das Resultat sind zwei überaus unerfreuliche Ereignisse, die vor allem in Kreisen der gut informierten und hervorragend vernetzen Twitteruser schnell für schlechte Stimmung gesorgt haben. Also genau was man als Startup eigentlich nicht will. Die eigenen Nutzer verärgern.
Dieses Beispiel zeigt meiner Meinung nach relativ deutlich, wo bei jedem Startup die Prioritäten liegen sollten. Das eigene Produkt muss oberste Priorität geniessen. Die Infrastruktur ist lediglich Mittel zum Zweck und die Verwaltung derselben darf nicht von den Kernkompetenzen ablenken.
Das übliche Problem, es fehlt das Geld also fängt man klein an und wenn der Erfolg sich einstellt skaliert man horizontal und wirft mehr Hardware auf das Problem. Dadurch bedingt hat man irgendwann eine mittelgroße bis große Anzahl an Servern womöglich noch unterschiedlicher Bauart. Der mit der Administration dieser Serverfarm verbundene Aufwand kann dadurch immens werden. Wenn man dann nicht mit Unsummen an Risikokapital ausgestattet ist, worauf sich in Anbetracht der momentanen Weltwirtschaftslage wohl die meisten Startups einstellen müssen, und sich Arbeitskräfte für die Administration der Server leisten kann wird die Aufgaben nebenher bewältigen müssen.
Das Problem ist dabei ganz einfach, dass die verbreiteten Hostingangebote wie shared Hosting, V-Server und dedizierte Server nicht genug Flexibilität bieten um den Anforderungen eines dynamischen Startups gerecht zu werden. Cloud Computing Plattformen können hier Abhilfe schaffen. Webhosting muss endlich auch im Web2.0 ankommen und flexibler und günstiger werden. Das geht aber nur wenn die Hostingdienstleister die Synnergieeffekte im Form von Preisvorteilen an die Kunden weitergeben.
Schön und überaus passend finde ich in dem Zusammenhang die Aussage von Amazon Chef Jeff Bezos. Der in einer Präsentation zu Amazon EC2 dieses mit Elektrizität verglich. Es würde ja auch niemand mehr seine eigene Elektrizität herstellen. Gleiches muss auch für Rechenleistung gelten.








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Ein Artikel von Philipp Strube
Philipp Strube ist Gründer und Geschäftsführer von cloudControl. cloudControl entwickelt eine hochverfügbare und skalierbare Cloud Hosting Lösung für moderne Webapplikationen.
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