Opera Unite: Evolution oder Unfug
Groß angekündigt mit den Worten man würde das Internet revolutionieren liess Opera, die kleine Browserschmiede aus dem hohen Norden, ihr neuestes Feature in einer Alpha Version auf die Welt los. Opera Unite ist im Prinzip nichts anderes, als ein im Browser integrierter Webserver mit einem ebenfalls im Browser integrierten intuitiven Administrationsinterface.
Angereichert wird die Webserver Funktionalität noch mit einem “Weiterleitungsdienst” auf den Servern von Opera und der Möglichkeit Anwendungen sogenannte Unite Services zu entwickeln.
Mit dieser Technik möchte Opera den Nutzern die volle Kontrolle über die eigenen Daten geben. So jedenfalls klingt das im Marketingblabla.
Aber, ist das wirklich eine gute Idee. Opera Unite: Evolution oder Unfug hab ich diesen Artikel ganz provokant getauft. Was man bei Opera Unite nicht vergessen sollte ist, so lange der Webserver im Browser integriert ist, muss der Browser auch gestartet sein. Es muss der PC auf dem der Browser installiert ist und die Daten liegen laufen und online sein. Sonst wird das mit dem Zugriff von überall und zu jeder Zeit etwas schwierig und ohne weiss ich nicht was ich mit Unite soll.
Gut, offensichtlich soll Opera Unite nicht für solche Dienste sein. Viel mehr scheint es dabei um die Idee zu gehen, gemeinsame Aktivitäten ohne die Hilfe von Servern nutzen zu können. Also z.B. wie mit der Opera Jukebox gemeinsam Musik zu hören oder was auch vorstellbar wäre gemeinsam an Tabellen-, Präsentationen- oder Textdokumenten zu arbeiten. Um dies gemeinsam tun zu können müssen natürlich sowieso alle Beteiligten online sein und der Browser muss gestartet sein.
Sicherheit
Oftmals ist es allerdings, nur weil man etwas kann nicht zwingend eine gute Idee, es auch zu tun. Ich könnte zum Beispiel ohne weiteres aus meiner Privatwohnung einen Aufenthaltsort für Obdachlose und Drogenabhängige machen. Die meisten Menschen, inklusive mir, würden von soetwas allerdings eher absehen. Verständlicherweise, man weiss ja nicht genau was da alles passieren könnte und ist sicher nicht ganz unbegründet auch um den Erhalt des eigenen Eigentums besorgt.
Nun verhälts es sich mit Webservern auf lokalen PCs meiner Ansicht nach ganz ähnlich. Grundsätzlich lasse ich “fremde” in meine Wohnung. Nun kann man argumentieren, Opera Unite lässt ja nur Freunde in die “Wohnung”. Aber wie jeder so schön weiss gibt es weder bei Wohnungstüren noch bei Webserversoftware absolute Sicherheit. Ohne Wohnungstür lässt es sich allerdings ganz schwer leben. Ob ich wirklich einen Webserver in meinem Browser brauche ist eine ganz andere Frage. Ich tendiere eher dazu, dass ich ganz gut ohne kann.
Kritische Masse
Lassen wir die Sicherheitsbedenken mal ausser acht. An sich ist die Idee schon cool und kreativere Menschen als ich könnten sich sicher auch ganz furchtbar tolle Dinge einfallen lassen, was man mit Opera Unite anstellen kann. Nur wenn ich so eine tolle Idee habe, ist Opera Unite dann wirklich die richtige Plattform. Ich bin ja schliesslich daran interessiert, dass meine tolle Idee auch von möglichst vielen Leuten genutzt werden kann. Opera ist allerdings nicht gerade der Platzhirsch was die Anteilsverteilung am Browsermarkt betrifft. D.h. so lange es keine offenen Schnittstellen und/oder implementierungen für andere Browser gibt sehe ich keinen Anreiz für irgendeinen Entwickler irgendeine Idee mit der Opera Unite Plattform umzusetzen.
Fazit
Insgesamt ist Opera Unite denke ich eine Idee mit viel Potential. Wie bei jeder Idee gibt es dabei Herausforderungen zu bewältigen, aber das ist ja quasi normal. Was Opera mit Unite nicht vor hat ist vermutlich den Hostingmarkt umkrempeln. Dauerhafte Verfügbarkeit liesse sich mit Opera Unite nur dann umsetzen, wenn die Rechner nach P2P Manier zusammenarbeiten würden um die Anfragen zu bewältigen. Hier würde aus Unite dann zwar echtes Cloud Computing, bis wir so weit sind, dass dies möglich ist wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Wenn es überhaupt jemals möglich sein wird. Denken wir mal an solche Dinge wie Bandbreiten, Traffic, Rechenleistung oder auch Datenschutzgesetze. Ganz zu schweigen von diversen anderen rechtlichen Auflagen und all den ohnehin schon undursichtigen Fragen rund ums geistige Eigentum. Ausserdem würde ich dann um bei meinem Vergleich von oben zu bleiben nicht mehr nur meine Freunde und vielleicht noch die Freunde meiner Freunde in meine Wohnung lassen.
Wer hier keine erheblichen Sicherheitsbedenken hat ist wohl mehr als Schmerzbefreit. Ich meine, Opera läuft schliesslich auch unter Windows.
Trotzdem werde ich natürlich weiter interessiert beobachten wo es mit Unite weiter hingeht. Keines der Probleme ist unlösbar oder könnte nicht umgangen werden. Es kommt immer darauf an, was man jetzt aus der Idee genau macht.
Was denkt ihr zu Opera Unite?
Update: Chris Messina hat auf seinem Blog einen super Artikel zu Opera Unite veröffentlicht. Leseempfehlung. Danke für den Tipp @Bumi.









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