Joyent hat gestern bekanntgegeben Reasonably Smart übernommen zu haben.
Resonably Smart verfolgt dabei einen etwas ungewöhnliches Modell. Dort kann basierend auf Javascript und Git Webanwendungen entwickeln und online stellen. Dabei wird Javascript aber nicht wie sonst üblich für ein bisschen DOM-Scripting und Client-seitigen Zauber verwendet, sondern als Serversprache. Git als Versionskontrollsystem wird dabei auch für den Deploy in die Wolke genutzt. Da das ganze System auf Open Source Komponenten aufbaut kann die entwickelte Anwendung aber auch komplett auf einem lokalen Entwicklungssystem getestet werden bevor sie in die Wolke geladen wird.
Joyent selbst bietet im Prinzip virtualisierte Hardware. Allerdings gehört Joyent zu den infrastrukturzentrischen Cloud Computing Anbietern. Ähnlich wie Amazon EC2. Im Gegensatz zu z.B. Google App Engine kann man bei diesen Diensten die eigenen Server sehen. Bei App Engine gibt es keine einzelnen Server sondern nur die Wolke, jedenfalls nicht für den Entwickler.
Von daher halte ich auf lange Sicht für Entwickler servicezentrische Wolken wie App Engine oder auch Microsoft Azure vom Prinzip für die bessere Wahl. Als Entwickler muss ich mich dort nur um meine Anwendung kümmern. Dabei versuchen die Anbieter durch verschiedene APIs die Projekte an die eigene Wolke zu binden. Dieser Lock-In Effekt ist gerade bei App Engine und Azure sehr stark. Bei letzterem nicht weiter verwunderlich, kommt es doch aus dem Hause Microsoft.
Dienste wie Joyent und Amazon EC2 sind hingegen sehr offen. Hier kann auch eine größere Anzahl an Programmiersprachen verwendet werden. Darüber hinaus ist es relativ problemlos möglich die eigene Anwendung auch wieder auf eigener Hardware zu hosten. Bei App Engine oder Azure dürfte dies schwer fallen und durch die starke Bindung an bestimmte APIs für z.B. Datenbankzugriffe u.Ä. mit hohem programmiertechnischen Aufwand verbunden sein.
Von diesem Standpunkt aus betrachtet, erscheint der Kauf von Resonably Smart wirklich verhältnismäßig klug. Joyent sichert sich so einen Mehrwert für eigene Kunden ohne die grundsätzliche Offenheit aufgeben zu müssen. Man bindet die Kunden also nicht mit verlockenden APIs sondern setzt auf gute Dienstleistungen.
Wenn die Welt perfekt wäre, müsste sich dieser Ansatz unweigerlich durchsetzen. Da sie dies jedoch nicht ist, müssen wir abwarten und sehen wie sich das ganze Entwickelt. Ich bin aber relativ optimistisch.
via GigaOM

