Host Europe bietet VMWare Clusterlösung und bezeichnet das ganze unglücklich als Cloud Hosting

Achtung: Mir ist durchaus bewusst, dass ich hier auf einem schmalen Grat wandere. Schnell kann der Eindruck entstehen ich würde jetzt hier ein Angebot eines Konkurrenten zerreisen. Aber dem ist nicht so. Warum, erkläre ich im Artikel.

Die PR-Agentur Frische Fische hat mich vor einiger Zeit in den PR Verteiler aufgenommen. Seitdem bekomme ich hin und wieder kommentarlos Pressemeldungen zugeschickt. So läufts wohl, darüber will ich mich auch garnicht beschweren. Vieles ist eher uninteressant, aber heute hat eine Pressemeldung mein Interesse geweckt.

Host Europe startet Cloud Hosting titelt die Meldung.

Ach, na da war ich natürlich gespannt und las gleich aufmerksam weiter:

“Die Host Europe GmbH gibt erneut den Takt für die Hostingbranche vor und
bietet als erster der großen deutschen Hosting-Provider eine
Cloud-Hosting-Lösung. Mit dem „Virtual Cluster“ steht
Business-Anwendern für ihre unternehmenskritischen Applikationen eine
dedizierte IT-Umgebung zur Verfügung, deren Ressourcen sie dank
Virtualisierung flexibel nutzen und damit Hardware effizient auslasten
können.”

Ahhja. Virtual Cluster. Soso. Wenn man das Marketingdeutsch mal übersetzt kommt dabei folgendes heraus. Man bekommt min. zwei dedizierte Server und kann darauf über eine Management Konsole virtuelle Instanzen verteilen. Die Webseite rechnet dann auch dementsprechend vor, dass man aus 5 Servern mit jeweils 33% Auslastung durch die Virtualisierung 2 Server mit insgesamt 82,5% machen kann.

Schön und gut, und mag so auch stimmen. Aber ist das auch wirklich Cloud?

Heute morgen noch hab ich einen Artikel von GigaOM verlinkt. Nehmen wir einfach mal die NIST-Definition daraus und prüfen die Host Europe Lösung an Hand dieser Kriterien:

  • On-demand self-service: Ok, Management Konsole lassen wir gelten, ob es eine API gibt weiss ich nicht. Wäre aber meiner Meinung nach Pflicht.
  • Broad network access: Hier nicht relevant.
  • Resource pooling: Nein, jeder Kunde bekommt eigene dedizierte Hardware.
  • Rapid elasticity: Nein, man kann nur im Rahmen der dauerhaft gemieteten dedizierten Hardware die virtuellen Instanzen frei hoch und runter skalieren. Wie lange es dauert weitere dedizierte Hardware hinzuzufügen steht auf der Webseite nicht. Angaben dazu wie die Mindestvertragslaufzeit ist sind auch nicht zu finden.
  • Measured service: Nein, mag sein, dass man eine Statistik bekommt. Aber wie soll automatisch optimiert werden, wenn die zu Grunde liegende Hardware nicht flexibel ist.

Zur Konkurrenzsituation: Mit cloudControl haben wir rein garnichts mit Hardware zu tun und wollen es auch nicht. Wir setzen auf IaaS Lösungen auf. Wir könnten vielmehr ein Kunde von Host Europe sein, wäre die Lösung für uns nutzbar. (Auf Grund des unflexiblen Ressourcenpools ist sie dies nicht.) Aber Host Europe konkurriert hier mit Amazon EC2 und ScaleUP. Beide Anbieter erlauben es “unbegrenzt viele” virtuelle Instanzen zu starten und wieder zu beenden. Und dementsprechend auch nur zu zahlen, wenn ich die Instanz tatsächlich laufen habe. Bei der Host Europe Lösung ist dies nicht der Fall. Zwar macht die Webseite keine Angaben zu den Preisen, aber die feste Anzahl an dedizierter Hardware wird man wohl auch dauerhaft bezahlen müssen. Egal ob man jetzt gerade die Leistung benötigt, oder nicht.

Ihre Berechtigung hat die Lösung trotzdem, keine Frage. Ich kann mir verschiedene Einsatzzwecke vorstellen, bei der diese Lösung ihre Stärken ausspielen kann. Cloud Hosting gehört allerdings nicht dazu, denn auf meine stündlich schwankende tatsächliche Auslastung kann ich mit dieser Lösung nicht reagieren. Und auch bei den Kosten zahle ich weiterhin dauerhaft für die Ressourcen die ich bei einem Peak benötige.

Fazit

Alles in allem, weiss ich nicht ob sich Host Europe hier mit dem Cloud Buzzword einen Gefallen getan hat. Die Lösung ist ein Cluster auf dem man virtuelle Instanzen spawnen kann. Von mir aus auch ein virtuelles Rechenzentrum. Aber Infrastructure as a Service (IaaS) oder gar Cloud Hosting ist sie nicht.

Vielleicht seht ihr das alles anders? Ich freue mich wie immer über Kommentare.

About Philipp Strube

Philipp Strube ist Gründer und Geschäftsführer von cloudControl. cloudControl entwickelt eine hochverfügbare und skalierbare Cloud Hosting Lösung für moderne Webapplikationen.
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7 Responses to Host Europe bietet VMWare Clusterlösung und bezeichnet das ganze unglücklich als Cloud Hosting

  1. Pingback: Tweets die Host Europe bietet VMWare Clusterlösung und bezeichnet das ganze unglücklich als Cloud Hosting | Server in den Wolken erwähnt -- Topsy.com

  2. Holger says:

    Sehe ich genauso. Mit Cloud Computing hat das nicht viel zu tun. Die Anwendung kann durchaus spannend sein, wenn ich weiss, wieviel Ressourcen brauche. Kann ich das nicht abschätzen, bzw. sind die Schwankungen zwischen normaler Auslastung und den Peaks sehr gross, dann ist der Ansatz von HostEurope sicher nicht der richtige.

  3. Pingback: Perfect Knowhow

  4. Pingback: Cloud Washing | Server in den Wolken

  5. Martin Reti says:

    Auch ohne ein großer Techniker zu sein und das Angebot bzw. die PM genau zu kennen: “Dediziert” klingt für mich ziemlich genau wie das Gegenteil von Cloud ;-)

    Gruß
    Martin Reti

  6. Pingback: Hosting Werbung im Überfluss in der c’t | Server in den Wolken

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